OT: Straumēni (1933) Aus dem Lettischen und mit einem Nachwort von Berthold Forssman 333 Seiten, € 25 [D] | € 25,80 [A] Gebunden mit Lesebändchen ISBN 978-3-945370-25-4

Straumēni

Edvarts Virza

Edvarts Virza (1883–1940) schuf mit dem Prosapoem »Straumēni« eine Hymne auf das bäuerliche lettische Leben. Er beschreibt ein Jahr auf dem zemgalischen Gehöft Straumēni Mitte des 19. Jahrhunderts, verknüpft Kindheitserinnerungen mit Erzählungen seiner Großeltern und folgt dem Takt der Natur. Nicht ein einzelner Bewohner, sondern der Hof selbst wird zur Hauptfigur des berückenden Buches. Jedes Mitglied der Hausgemeinschaft hat seine zugewiesene Aufgabe zu verrichten, und die Erfüllung birgt eine eigene Schönheit und verleiht Lebenssinn. Im Einklang mit den Jahreszeiten wird im Frühjahr gepflügt und gesät, im Sommer bewirtschaftet und herangereift, im Herbst geerntet und geschlachtet, schließlich im Winter eingelagert und sich häuslich eingerichtet – und immer auch Feste wie Mittsommer, Erntedank oder Weihnachten gefeiert. Unausgesprochen ist im harmonischen Idealjahr jedoch auch eine Trauernote enthalten, ein Schmerz darüber, dass dieses Ideal unwiederbringlich verloren ist, ja eigentlich niemals bestanden hat.

Die Sprache, in der Virza das voranschreitende Jahr beschreibt, enthält alles, was auf dem Hof vor sich geht. Da summt und raschelt es, knistert, duftet und klingt es in den Wörtern – ein Sprachstrom, der unaufhaltsam voranstrebt wie der Fluss Lielupe, der sich durch die Wiesen um Straumēni schlängelt. Berthold Forssman stimmt in seiner Übersetzung ein in die Melodie der zemgalischen Landschaft und des ländlichen Lebens. Er schöpft aus dem Reichtum der deutschen Sprache, aus Begriffen und Beschreibungen, die schon vergessen scheinen und eine ganze Welt in die Sinne und vor Augen rufen.

»Autor und Übersetzer gelingt es, uns diese Welt sinnlich vor Augen zu rufen, uns mitzunehmen, uns teilhaben zu lassen. Wir lesen von einer Frau – und wir sehen diese Frau: Sie sitzt auf einer Bank und schlägt Butter. Von ihr heißt es, die Schönheit habe in ihrem Gesicht so tiefe Spuren eingegraben, ›dass nicht einmal die Zeit sie hat mit sich nehmen können‹. Für uns Leser ist das Besondere und Schöne an Stellen wie diesen: Virza beschränkt sich nicht auf kurze, stimmige Beschreibungen. Er setzt seine Betrachtungen fort, führt sie aus, führt uns fort, reißt uns mit sich - und wir sind berührt und gerührt. Das setzt sich fort, zieht sich durch das ganze Buch. Nicht zuletzt dank der Sprachmelodie Virzas, die Übersetzer Berthold Forssman eindrucksvoll nachbildet.«

Marion Hinz, Kultur-Port.de

»Harmonie der Jahreszeiten (…) ›Straumēni‹ liest sich heute als ›Nature writing‹, als genau beobachtete, kein Detail auslassende Beschreibung der Natur, zu der die Menschen natürlich gehören. (…) ›Straumēni‹ soll offenbar die zarte Seele des der Zarenherrschaft entkommenen, seit 1918 unabhängigen Staates stärken. Edvarts Virza greift bei seiner Suche nach lettischer Identität beeindruckenderweise nicht auf patriotische oder nationalistische Versatzstücke zurück. Sein Ideal ist der geschlossene Kosmos einer Schöpfung, in der auch die Jahreszeiten als Lebewesen erscheinen.«

Jörg Plath, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Straumēni ist auch ein so faszinierendes Stück Literatur, weil Virzas Erzählung zwar idyllisch wirkt und idyllische Leben beschreibt, selbst aber nie zu einer Idylle verkommt. (…) An erster Stelle dieser Faszination steht die Sprachkunst, die in der deutschen Version auch große Übersetzungskunst ist. Berthold Forssman hat den Text aus dem Lettischen übertragen und dabei nicht nur eine sehr schöne, umschweifige und poetische Sprache dafür gefunden, sondern auch sehr gekonnt die vielen mittlerweile kaum mehr bekannten und stellenweise sehr spezifischen landwirtschaftlichen Techniken und Geräte in den Text eingeflochten, ohne die moderne Leser*in abzuhängen oder in unnötige Erklärungswut zu verfallen.«

Nick Lüthi, Bookgazette.xyz

»Große Gelassenheit, ja etwas Kontemplation geht von dieser Literatur aus. (…) Hier bekommen die kleinen Dinge detailversessen noch einmal jede Aufmerksamkeit. So etwas können wir heute gut gebrauchen.«

Anton Thuswaldner, Die Furche

Edvarts Virza

Edvarts Virza (1883–1940) schuf mit dem Prosapoem »Straumēni« eine Hymne auf das bäuerliche lettische Leben. Er beschreibt ein Jahr auf dem zemgalischen Gehöft Straumēni Mitte des 19. Jahrhunderts, verknüpft Kindheitserinnerungen mit Erzählungen seiner Großeltern und folgt dem Takt der Natur. Nicht ein einzelner Bewohner, sondern der Hof selbst wird zur Hauptfigur des berückenden Buches. Jedes Mitglied der Hausgemeinschaft hat seine zugewiesene Aufgabe zu verrichten, und die Erfüllung birgt eine eigene Schönheit und verleiht Lebenssinn. Im Einklang mit den Jahreszeiten wird im Frühjahr gepflügt und gesät, im Sommer bewirtschaftet und herangereift, im Herbst geerntet und geschlachtet, schließlich im Winter eingelagert und sich häuslich eingerichtet – und immer auch Feste wie Mittsommer, Erntedank oder Weihnachten gefeiert. Unausgesprochen ist im harmonischen Idealjahr jedoch auch eine Trauernote enthalten, ein Schmerz darüber, dass dieses Ideal unwiederbringlich verloren ist, ja eigentlich niemals bestanden hat.

Die Sprache, in der Virza das voranschreitende Jahr beschreibt, enthält alles, was auf dem Hof vor sich geht. Da summt und raschelt es, knistert, duftet und klingt es in den Wörtern – ein Sprachstrom, der unaufhaltsam voranstrebt wie der Fluss Lielupe, der sich durch die Wiesen um Straumēni schlängelt. Berthold Forssman stimmt in seiner Übersetzung ein in die Melodie der zemgalischen Landschaft und des ländlichen Lebens. Er schöpft aus dem Reichtum der deutschen Sprache, aus Begriffen und Beschreibungen, die schon vergessen scheinen und eine ganze Welt in die Sinne und vor Augen rufen.